Homöopathie und Antibiotikaresistenzen

Einsatz von Homöopathie als Teil einer Strategie gegen Antibiotikaresistenzen

Die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen gilt weltweit als eine große Gefahr für die Gesundheit. Wie ist die Situation in Deutschland? Hier stecken sich zwischen 400.000 und 600.000 Menschen jährlich mit sogenannten Krankenhausinfektionen an. Aber auch im ambulanten Bereich werden durch multiresistente Keime verursachte Infektionen registriert. Solche Infektionen sind schwer zu behandeln, weil die verursachenden Bakterien nicht mehr auf die Behandlung mit Antibiotika ansprechen. Die Behandlungsdauer verlängert sich, die Risiken von Nebenwirkungen steigen. Hohe Behandlungskosten und erhöhte Sterblichkeit sind die Folgen.

Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?

Antibiotikaresistenzen entstehen durch

  • die unsachgemäße Verordnung und Anwendung von Antibiotika,
  • unzureichende Hygiene.

Ein Beispiel: 90 Prozent der Atemwegsinfektionen sind virusbedingt. Obwohl Antibiotika hier keine Wirkung zeigen, werden in mehr als 50 Prozent der Fälle von akuter Bronchitis noch immer Antibiotika verordnet – die Überverschreibung ist also ein Risiko.

Welche Rolle kann der Einsatz von Homöopathie in der Präventionsstrategie spielen?

Experten bemängeln, dass die Untersuchung und Anwendung von komplementären Therapien wie der Homöopathie in staatlichen Strategien gegen Überverschreibung und Antibiotikaresistenzen bisher fehlt. Beobachtungsstudien in Europa konnten jedoch zeigen, dass durch komplementäre und alternative Therapien niedrigere Antibiotika-Verordnungsraten erreicht werden konnten. Vereinfacht ausgedrückt:

  • Wo mehr komplementär oder homöopathisch behandelt wurde, wurden weniger Antibiotika eingesetzt.
  • Ärzte, die homöopathisch behandeln, verschreiben deutlich weniger Antibiotika bei Infektionskrankheiten.

Wie ist die Studienlage zum Einsatz von Homöopathie und dem Verbrauch von Antibiotika?

Mittlerweile gibt es mehrere Beobachtungsstudien sowie randomisierte klinische Studien zur Anwendung der Homöopathie und dem Verbrauch von Antibiotika. Eine aktuelle und derzeit größte Untersuchung ist die EPI3-Kohortenstudie[1], eine repräsentative Stichprobe in Frankreich, an der 825 Hausärzte teilnahmen. Darin wurden 518 Erwachsene und Kinder mit Infektion den oberen Atemwege einbezogen. Das Ergebnis zeigte, dass Patienten von homöopathisch ausgebildeten Hausärzten einen signifikant geringeren Verbrauch von Antibiotika aufwiesen. Umgekehrt lässt sich daraus schließen: Patienten, die einen homöopathisch qualifizierten Hausarzt aufsuchten, nahmen halb so viel Antibiotika und entzündungshemmende Medikamente ein, als die Vergleichsgruppe bei konventionell tätigen Ärzten. Ein positiver Nebeneffekt: Die Behandlungen sind günstiger.
Gute Ergebnisse zeigten zudem Studien bei Kindern mit Mittelohrentzündung. Darin konnte nachgewiesen werden, dass sich der Verbrauch an Antibiotika durch die Anwendung von homöopathischen Ohrentropfen bei Mittelohrentzündung im Rahmen einer verzögerten Antibiotikaverschreibung wirksam reduzieren ließ.[2]

Bisherige Studien lassen den Schluss zu, dass mit Hilfe eines homöopathischen Behandlungssettings der Verbrauch von Antibiotika um etwa 50 Prozent gesenkt werden kann.

Homöopathie sollte Teil nationaler Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenzen werden

Fachverbände setzen sich für eine Verankerung von pflanzlichen bzw. mikrobiologischen Arzneimitteln, Homöopathika und Anthroposophika im Rahmen von nationalen Antibiotika-Resistenzstrategien ein. In einem Positionspapier fordert beispielsweise der Verband der Pharmazeutischen Industrie mehr öffentliche Forschungsförderung, um Therapie- und Versorgungslücken rasch schließen zu können und im Sinne einer Vermeidungsstrategie einem frühzeitigen Antibiotika-Einsatz entgegen zu wirken. Homöopathie und andere komplementäre Therapie sollten dem Verband zufolge in die Aktions- und Strategiepläne zur weltweiten Reduzierung von Antibiotika-Resistenzen eingebunden werden. Ihr Potential zur Vermeidung von Resistenzen sollte sowohl dem medizinischen Personal, als auch der Bevölkerung besser vermittelt werden.

[1] Grimaldi-Bensouda L, Bégaud B, Rossignol M, Avouac B, Lert F, Rouillon F, Bénichou J, Massol J, Duru G, Magnier AM, Abenhaim L, Guillemot D.: Management of upper respiratory tract infections by different medical practices, including homeopathy, and consumption of antibiotics in primary care: the EPI3 cohort study in France 2007-2008. PLoS One. 2014 Mar 19;9(3):e89990.
[2] Taylor JA, Jacobs J. Homeopathic Ear Drops as an Adjunct in Reducing: Antibiotic Usage in Children With Acute Otitis Media. Glob Pediatr Health. 2014 Nov 21;1:2333794X14559395.