Hintergrundwissen zur Homöopathie

Seit 200 Jahren vertrauen Menschen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern der Homöopathie. Erfahren Sie hier, auf welchen Grundgedanken die Heilkunst beruht und wie sie in ihrer heutigen Anwendung entstanden ist.

Similia similibus curentu – Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden, das ist das Grundprinzip der Homöopathie. Was bedeutet das? Die Homöopathie verwendet die Substanzen zur Behandlung von Symptomen, die bei der Einnahme von größeren Mengen ähnliche Symptome hervorrufen würde. Schon seit der Antike ist dieses Prinzip bekannt. In der Toxikologie und Biologie gilt es als hinreichend belegt. Auch synthetische konventionelle Medikamente verfolgen teilweise ein ähnliches Prinzip: So kommt zur Behandlung von Arrhythmien, also Herzrhythmus-Störungen, „Digitalis“ zum Einsatz, das in hoher Dosierung dieselben Beschwerden auslöst. Gleiches gilt für „Ritalin“, ein Medikament auf der Basis von Amphetamin, das in der Therapie bei ADHS, also dem Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätssyndrom, eingesetzt wird.

Homöopathie: Die sanfte Medizin

In homöopathischen Arzneimitteln sind die Dosierungen des natürlichen Ausgangswirkstoffes dabei so gering, dass Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert werden. Nur noch wenige Moleküle sind in der Arznei enthalten. Bei diesen Niedrigpotenzen sind die Wirkstoffe pharmaklogisch nachweisbar. Je höher die Potenz, umso niedriger der Anteil des Ausgangsstoffes. Ihre Wirkung ist dabei hinlänglich nachgewiesen. Wie der Wirkungsmechanismus aussieht, ist bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Das gilt im Übrigen auch für die Wirkung von Narkose-Medikamenten. Auch hier ist bekannt: Sie wirken, aber welcher Mechanismus dahinter steckt, ist unbekannt. Im Übrigen war für die Anwendung eines Medikamentes noch nie das Wissen über seinen Wirkungsmechanismus eine zwingende Voraussetzung. Beispiel Aspirin. Das weltweit am häufigsten eingesetzte Medikament wurde schon über 70 Jahre angewendet, bevor im Jahr 1971 sein Wirkmechanismus aufgedeckt wurde.

Zur Anwendung der Homöopathie in der ärztlichen Praxis

Längst ist in vielen Arztpraxen die Anwendung homöopathischer Arzneien Alltag. Mit wachsendem Bewusstsein für die Gefahren, die durch eine übermäßige Behandlung mit Antibiotika entstehen, steigt die Nachfrage nach Homöopathie. Längst ist aus der „Alternativmedizin“ ein integrativer Teil der Medizin geworden. Ob Gynäkologie, Pädiatrie oder Allgemeinmedizin – die Anwendung von homöopathischen Arzneimitteln gehört ganz selbstverständlich zum Alltag in vielen Facharztpraxen.

Zum Stand der Forschung über die Homöopathie

Um die Wirkung homöopathischer Arzneimittel wird seit Jahren gestritten. Dabei verläuft die Diskussion vielfach ungeachtet der wissenschaftlichen Forschung. Beschreiben lässt sich die Debatte in etwa so: Erfolgreich und weit verbreitet in der medizinischen Praxis angewendet, müssen sich homöopathische Arzneimittel noch mehr der Frage nach ihrer Berechtigung stellen.

Die WissHom, eine wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie, hat im Jahr 2016 einen Forschungsreader veröffentlicht. Darin geben die Wissenschaftler einen Überblick über den Stand der Forschung in der Versorgungsforschung, über randomisierte kontrollierte klinische Studien sowie Meta-Analysen und Grundlagenforschung. Die Autoren dieses Readers kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Die zusammenfassende Betrachtung der klinischen Forschung „belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen (effectiveness) der homöopathischen Behandlung“.

Zur Geschichte und Entwicklung der Homöopathie

Wie genau ist die Homöopathie in ihrer heutigen Anwendungsform entstanden? „Organon der Heilkunst“ heißt das Werk Samuel Hahnemanns, mit dem der Arzt und Apotheker 1821 den Grundstein für die Entwicklung der Homöopathie als eigenständige Behandlungsform legte. Hahnemann stellte sein Werk in einer Zeit vor, in der Aderlass, Starstich, blutiges Schröpfen und Klistiere Alltag in der medizinischen Behandlung waren. Hahnemann griff in seinen Schriften eine bereits in der Antike verfolgte Grundregel auf: „similia similibus curentu“, bekannt als das sogenannte Ähnlichkeitsprinzip, auch als Simile-Prinzip bezeichnet, das bereits Hippokrates und Paracelsus in der Antike und im Mittelalter verfolgten. „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“, ist das Credo dieser Schule. Hippokrates sprach bereits vor etwa 2.500 Jahren von zwei Heilverfahren: Zum einen die Behandlung mit entgegenwirkenden Stoffen, zum anderen die Therapie mit ähnlich wirkenden Stoffen. Schon er stellte eine ausführliche Anamnese der Behandlung voran, befragte seine Patienten zu ihren Lebensumständen und ihrer seelischen Verfasstheit.

Weniger den Blick auf den Menschen und seinen Organismus als Ganzes richtet das gegensteuernde Heilprinzip, auf dem die heutige konventionelle Medizin basiert. Symptome stehen dabei im Vordergrund. Und diese gilt es, zu bekämpfen: „Contraria contrariis“, lautet ihr Motto.

In der Homöopathie dagegen stehen ähnlich wirkende Stoffe im Vordergrund. Dabei kommen Arzneimittel zum Einsatz, die beim Gesunden ein ähnliches Krankheitsbild hervorrufen würden. Sie dienen therapeutisch verwendet dazu, die körpereigenen Abwehrmechanismen zu aktiveren und die Selbstheilungskräfte des Körpers in Gang zu setzen.

Es ist dieses gedankliche Fundament, auf dem Hahnemann aufbaut. Erstmals präzisierte und formulierte er das Ähnlichkeitsprinzip. Das Revolutionäre daran: Hahnemann prüfte die Symptome der Arzneien an gesunden Patienten – und das unterschied ihn von seinen Vorgängern.